Wie zeigt sich Sprache im Social Web?

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Wie zeigt sich Sprache online?

Das Thema meines heutigen Blogbeitrags ist einfach und du wirst es leicht nachvollziehen können: Es geht um den lockeren und ungezwungenenen Sprachgebrauch im Social Web, die einfache Sprache also. Wie das bei “einfachen” Themen so ist, erscheinen sie uns nur solange simpel und schnell abgearbeitet, bis wir uns nicht dransetzen. Wie packst du ein so “banales” Thema an, damit ein Beitrag mit Hand und Fuß dabei herauskommt, der tiefere Einblicke in die Thematik gibt?

Genau vor dieser Herausforderung saß ich also gestern Nacht, als ich versuchte relevante Artikel im Web zu recherchieren. Die Ausbeute war bescheiden und auch das, was gesagt wird, hat mich nicht wirklich vom Hocker gehauen. Es könnte aber auch an den Suchmaschinen liegen oder an meinen Suchanfragen oder beidem – egal.

Dieser Beitrag ist der dritte Teil zu meiner Serie “Wie kommt das Soziale ins Netz?”. Hier findest du den ersten Teil “Jeder kann publizieren, aber nicht jeder tut es” und den zweiten Teil “Jeder kann Gespräche beginnen und Kommentare hinterlassen”.

Sprachgebrauch im Social Web

Sprache ist wohl das sozialste Element, das Menschen zur Verfügung steht. Sie hat sich aus dem Bedürfnis nach Gemeinschaft und gegenseitiger Verständigung heraus entwickelt. Ein eindeutiges Zeichen für “social” also.

Neben der Tatsache, dass Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen, gibt es auch massive Sprachunterschiede innerhalb einer Sprache. Dazu gehören unter anderem Dialekte, Jugendsprache und diverse Fachsprachen. Jede dieser Sprachgruppen besitzt eigene “Regeln” nicht nur hinsichtlich Gebrauch, sondern vor allem auch mit Blick auf gesellschaftliche Hierarchien und eng damit verbundene Machtstrukturen. (Dass Sprache auch immer ein Ausdruck von Macht ist, hatte ich bereits letztes Mal erwähnt.)

Neben all diesen Möglichkeiten Sprache im Social Web einzusetzen, stellt sich für mich die Frage, warum sich eine simple und einfache Sprache als Grundlage etabliert hat.

Sprachniveau richtet sich nach der Zielgruppe

Natürlich, es gibt auch im Social Web einzelne Nischen und spezielle Communitys, die sich einer sehr spezielle und teilweise gehobenen Sprache bedienen. Im Grunde bestätigt das aber nur die Regel, dass das Gros der OnlineuserInnen eine einfache Sprache nutzt. Gleichzeitig ist das auch die Erklärung dafür.

Die Zugangshürden zur aktiven Teilnahme am Social Web sind seit der Erfindung des Internets stets geschrumpft. Somit konnten auch immer mehr Menschen mit unterschiedlichen sozialen Backgrounds am Web teilnehmen. Da wir im Netz nie genau wissen, wer mitliest und wer das Gegenüber eigentlich ist, woher er/sie kommt und was er/sie weiß, war es logisch den „kleinsten gemeinsamen Nenner“ hinsichtlich der Sprachwahl zu verwenden.

In meinen Kursen sage ich immer, dass man im Web so schreiben sollte, dass auch ein 7-Jähriger es verstehen würde.

Je breiter die Zielgruppe, desto einfacher muss deine Sprache sein. Klick um zu Tweeten

Wenn du hingegen ausschließlich für eine Gruppe ausgewählter Molekularbiologen schreibst, kannst du auch ein höheres Sprachniveau voraussetzen und nutzen. 😉

Learnings:

  • Je größer und vielschichtiger die Dialoggruppe, desto einfacher musst du dich ausdrücken um ein Maximum an Verständnis zu ermöglichen.
  • Die Wahl des verwendeten Sprachniveaus hängt immer von deiner Dialoggruppe und dem Kontext ab.

Deine Sprache outet dich

Auch wenn du sehr leicht bei jeglichen Gesprächen im Social Web mitmischen kannst, sagt dein Sprachgebrauch doch sehr viel über dich und dein Hintergrund(wissen) aus. Wie bereits erwähnt hat jede Community eigene Sprachgewohnheiten und Ausdrücke. Angefangen bei Abkürzungen und Fachausdrücken bis hin zur Verwendung des “du” oder “Sie”. Potenzielle Stolperfallen lauern überall.

Anfängliche Unbeholfenheit im Web und besonders in Nischengesprächen, ist vollkommen normal und nachvollziehbar, das ist im analogen Leben nicht anders. Der beste Weg diese zu überwinden ist zuerst zuzuhören bzw. mitzulesen und erst dann aktiv mitzureden. Lerne die Zielcommunity und ihre Geflogenheiten kennen, sei höflich, freundschaftlich, wissbegierig, hilfreich, wo es geht. Bitte um Hilfe, frag nach, wenn du unsicher bist. Es ist im Grunde nicht viel anders als im “echten” Leben.

Wenn du dich daher beruflich in ein Fachthema einarbeiten musst und in Kontakt zu Kunden, Partnern, Influencern oder Thoughtleadern treten willst, solltest du diese Richtlinien beachten. Es macht eben doch einen Unterschied, wie du online auf andere Menschen zugehst. Der soziale Charakter des Web zeigt sich nicht nur in der Inklusion von neuen UserInnen, sondern auch bei der Exklusion von “Eindringlingen”. Gruppenzugehörigkeiten sind auch hier stark zu spüren. Du weißt ja, die Sache mit der Macht…

Es macht eben doch einen Unterschied, wie du online auf Menschen zugehst. Klick um zu Tweeten

Learnings:

  • Sprache sagt auch im Social Web viel über Gruppenzugehörigkeiten aus.
  • Ein lockerer Sprachgebrauch sollte dennoch freundschaftlich und höflich sein.

Online-Sprache breitet sich aus

Bisher habe ich nur den Einfluss unserer alltäglichen, gesprochenen und geschriebenen Sprache auf das Netz thematisiert, es gibt hier aber auch eine Rückkoppelung. Dieser Einfluss von online auf analog nimmt sogar stetig zu, ganz einfach dadurch, dass das Internet erstens ein ständiger Begleiter ist und zweitens viele junge Menschen die Differenzierung online-offline überhaupt nicht mehr wahrnehmen (wollen/können).

Wie sehr sich diese Online-Sprache auf unseren Real-life-Alltag auswirkt, wird von verschiedenen Seiten heiß diskutiert: So gibt es den Diskurs über den “Verlust der deutschen Sprache”, weil die Online-Sprache noch immer hauptsächlich das Englische ist. Es wird darüber dabattiert, dass unsere SchülerInnen keine grammatikalisch richtigen Sätze mehr bilden können und vieles mehr.

Das mag wohl (teilweise) stimmen und ich kann die Angst, Wut und den Ärger von Sprachpuristen nachvollziehen, aber wenn wir ehrlich sind, dann haben sich Sprachen bereits vor der Erfindung des Internets weiterentwickelt. Aufhalten wird sich diese Entwicklung kaum lassen, daher möchte ich an dieser Stelle nur zwei interessante Aspekte herausgreifen.

Eine neue Sprache entsteht

Der erste Aspekt ist die Herausbildung eines Online-Slang, also eines Online-Dialekts, vielen bekannt als Netzjargon. Dabei greift “Jargon” eindeutig zu kurz, da sich in der Zwischenzeit schon eine Internet-Lingusitik herausgebildet hat, aber das würde hier zu weit führen. Lassen wir Wikipedia zu wort kommen:

Internet slang (Internet shorthand, Cyber-slang, netspeak, or chatspeak) refers to a variety of slang languages used by different people on the Internet. It is difficult to provide a standardized definition of Internet slang due to the constant changes made to its nature. However, it can be understood to be a type of slang that Internet users have popularized, and in many cases, have coined. […] The primary motivation for using a slang unique to the Internet is to ease communication. However, while Internet slang shortcuts save time for the writer, they take two times as long for the reader to understand […]  On the other hand, similar to the use of slang in traditional face-to-face speech or written language, slang on the Internet is often a way of indicating group membership.”

Die “einfache” Sprache des Social Web hat also auch ihre Tücken. Eine Über-Simplifizierung, also eine übertriebene (?) Vereinfachung, dient ab einem bestimmten Punkt nicht mehr der besseren Kommunikation, sondern der Trennung zwischen denen, die verstehen und denen, die nicht verstehen. Sprache, Gruppenbildung, Macht, blabla….eh schon wissen. 😉

Emotionale Verbildlichung von Sprache

Ein zweiter Aspekt, der eng mit Online-Sprache verbunden ist, ist die Verbildlichung und Emotionalisierung von geschriebener Sprache. Was ich damit meine? Das @—>—>—>—, das <ironie> </ironie> oder auch das *liebhab*, aber auch Smileys gehören hier dazu. Wozu das Ganze?

Die Sprache im Social Web ist auf Nähe und Beziehungen ausgerichtet. Nacktes, geschriebenes Wort trägt aber meist nicht genug Gefühl mit sich. So sind Ironie, Sarkasmus, Doppeldeutigkeiten aber auch das Flirten und Liebäugeln im analogen Leben stark mit Körpersprache verbunden. Der Einsatz von Smileys, Gifs und ähnlichen kleinen Helfern dient dem Übermitteln von Gefühlen und Stimmungen. Einen guten Beitrag dazu habe ich bei wissen.de gefunden.

Diese emotionale Verbildlichung dient auch der Vermeidung von Missverständnissen. “Du bist blöd :P”, “du bist blöd ;)” und “du bist blöd :(“ ist nunmal nicht dasselbe.

Learnings:

  • Sprache und Gesellschaft entwickeln sich gemeinsam mit dem Social Web weiter.
  • Die emotionale Verbildlichung von Online-Sprache verstärkt den sozialen Charakter des Internets.

Auch Online-Gespräche brauchen Emotionen und Beziehung. Klick um zu Tweeten

Sprache ist mehr als “nur” Schrift

Da ich gerade beim Einsatz von Smileys und Animationen war: Wer sagt denn, dass nur geschriebenes Wort Sprache darstellt? Gerade Bilder, aber auch zunehmend Videos, vermitteln Online-Gespräche über sprachliche Grenzen hinweg. Der Satz “Ein Bild sagt mehr als tausend Worte” gilt eben auch im Internet.

Bilder und Videos sind simple, lockere und ungezwungene Formen von Sprache, die von einer großen Zahl an potenziellen Gesprächspartnern verstanden werden. Als visuelle Lebewesen sind wir von Natur aus auf bildliche Eindrücke getrimmt. Es ist für mich also nicht verwunderlich, dass Infografiken und Videos sich im Netz so großer Beliebtheit erfreuen. Selbst wenn die eigenen Sprachkenntnisse (des Englischen z.B.) nicht die besten sind, so können wir mithilfe von Bildern den Gesamtzusammenhang dennoch begreifen.

Learning:

  • Bilder und Videos bilden Gesprächselemente über sprachliche Grenzen hinweg.

Bilder und Videos bieten Online-Gespräche mit minimalen Sprachbarrieren. Klick um zu Tweeten

Und wie geht’s weiter?

 

Wenn dein Kopf gerade voll ist mit neuen Informationen und Gedanken, wie du all das Gelesene am besten für deinen persönlichen Online-Auftritt nutzen kannst, dann lass dich von meinem abschließenden Gedanken leiten: Egal welchen Sprachstil du nutzt, er muss zu dir, deinem Unternehmen und deiner Dialoggruppe passen. Sei du selbst, denn nur so wirst du auch als authentisch wahrgenommen werden.

 

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