Wer Wissen teilt, hat mehr davon

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Das Social Web ist vernetzes Wissen

Egal, welche Frage du hast, Google kennt die Antwort darauf. Denn online findest du alles, was du jemals an Wissen brauchen, oder auch nicht brauchen, könntest. Das Internet ist voll mit Wissen, das frei zugänglich ist. Es boomen Ratgeber-Videos, How-to-Blogartikel und Crowdsourcing-Plattformen. Der Schwarm ist intelligent. Welcome to the Social Web!

Ja tatsächlich, wenn wir das Soziale im Netz suchen (hier der Startschuss meiner Serie, dessen vierten Teil du gerade liest), dann ist die Intelligenz der Massen und das Teilen von Wissen sicherlich einer der markantesten Punkte. Es ist aber teilweise auch einer der umstrittensten Charakterzüge des Social Web. Aber gehen wir es der Reihe nach an.

Du erfährst in diesem Beitrag,

  • dass der Leitgedanke “Wissen ist Macht” zunehmend an Relevanz verliert,
  • dass das neue Ziel “Wissen gehört uns allen” heißt,
  • dass diese Erkenntnis oft schmerzvoll ist und einen langfristigen Lernprozess benötigt,
  • was es mit Begriffen wie Crowdsourcing, Schwarmintelligenz und kollektiver Intelligenz auf sich hat,
  • wie man das Wissen der Masse auch für sich einsetzen kann.

 

Wissen war Macht

Wissen war schon immer eine wertvolle Ressource in der menschlichen Gesellschaft. Auch heute noch, es wäre naiv etwas anderes zu glauben, gibt es Gruppen und Menschen, denen es lieber wäre, Wissen zu begrenzen oder für sich zu behalten. Wissen ist oftmals Herrschaftswissen.

Wissen ist oftmals Herrschaftswissen - auch online. Klick um zu Tweeten

Derjenige, der Wissen besitzt, ist im Gegensetz zu demjenigen, der es nicht besitzt, klar im Vorteil. Manipulation, Unterdrückung und Bevormundung waren und sind menschliche Verhaltensmuster, die den eigenen Nutzen vor die Bedürfnisse anderer stellen. Wissen ist in der Tat Macht, wenn der andere keines besitzt.

Wie es genau dazu kam, dass sich dieser Grundsatz im Internet umkehren sollte, kann ich nur erahnen. Vielleicht hast du eine genaue Studie oder Insiderwissen dazu? Ich habe (noch) nichts Genaueres dazu finden können. Ich nehme an, dass diese Entwicklung ihre Anfänge in den ersten Onlineforen nahm, in denen sich Menschen offen über alltägliche Probleme austauschten und so zur Erkenntnis kamen, dass sie online viel mehr Menschen mit unterschiedlichen Wissenspools erreichen und so Problemstellungen scheneller lösen konnten. Mit der technischen Weiterentwicklung des World Wide Web und der Senkung von technischen Hürden und Voraussetzung für die Teilnahme am selben, war ein weiterer Schritt in Richtung “Teilen von Wissen” getan.

Wissen gehört uns allen

Wie die Realität auch immer ausgesehen hat, heute steht fest, dass im Internet Wissen frei verfügbar ist – zumindest zu einem großen Teil. Suchmaschinen liefern uns schnell und treffsicher jene Resultate, die zu unseren Suchanfragen passen. Ob du nun ein bestimmtes Rezept suchst, ein neues Smartphone, das perfekt zu dir passt, oder die Bauanleitung für Sprengsätze – deine Suchmaschine, eine Hilfe-Community oder Youtube liefern dir mit Sicherheit ein passendes Ergebnis.

Jede und jeder von uns ist auf einen bestimmten Gebiet ein Experte oder eine Expertin. Und irgendwo da draußen ist mit Sicherheit ein anderer Mensch, der genau dieses Wissen sucht. Das Internet bietet dir eine einfache und effiziente Möglichkeit zu zeigen, was du kannst. Denn, und hier wirst du mir sicherlich recht geben, jeder von uns fühlt sich gut, wenn er/sie jemanden anderen weiterhelfen kann, wenn er/sie von jemanden anderen als “Experte/in” angesehen wird. Das Bedürfnissen von jemanden anderen gebraucht und bewundert zu werden, steckt ganz tief in uns.

Jeder von uns ist auf einem bestimmten Gebiet ein Experte! Klick um zu Tweeten

Das Internet, mit seinen vielfältigen kommunikativen Möglchkeiten, ist der perfekte Ort um sich zu vernetzen und sein Wissen mit anderen zu teilen bzw. seine Erfahrungen mit anderen auszutauschen. Blogs, Foren, Chats, Boards…wir kennen und nutzen sie alle.

Veränderungen sind Lernprozesse

Die Vorstellung, dass wir Wissen nicht verstecken können und sollten, weitet sich langsam über unser Alltagswissen hinweg aus. Auch politische und unternehmerische Kreise öffnen sich nun langsam dieser Haltung. Warum sind aber immer noch viele Institutionen und Unternehmen skeptisch? Ganz einfach: Wissen zu teilen, bedeutet loszulassen und bringt damit ein Gefühl des Kontrollverlusts.

Wissen zu teilen, bedeutet loszulassen und bringt damit ein Gefühl des Kontrollverlusts. Klick um zu Tweeten

Alte, festgefahrene Verhaltens- und Denkmuster ändern sich nunmal nicht über Nacht. Selbst wenn wir aktiv Veränderungen setzen wollen, so bedeutet das immer einen über längere Zeit andauernden Lernprozesss. Jede/r, der/die schon einmal versucht hat eine Angewohnheit wieder los zu werden, weiß das nur zu gut.

Bei Unternehmen und politischen Organisationen kommt eine zusätzliche Angst dazu: Wissensvorsprung bedeutet hier meist auch einen Wettbewerbsvorsprung. Die Frage, ob nun alle Geschäftsgeheimnisse offengelegt werden müssen, treibt so manchen die Schweißperlen auf die Stirn. Hier zeigt sich die Welt des Wissen in mehr Farben, als nur schwarz und weiß.

Vertrauliche Informationen bleiben das auch im Zeitalter des Social Web. Die Frage an dieser Stelle ist jedoch nicht, ob du Wissen und Informationen teilst, sondern mit wem. Mit dem Wissen verhält es sich nämlich, wie mit der Liebe: Wenn man es mit jemanden teilt, hat man in Summe mehr davon!

Mit Wissen ist es wie mit der Liebe: Wer es teilt, hat mehr davon! Klick um zu Tweeten

Von Schwarmintelligenz bis Schwarmdummheit

Du kennst sicherlich die Situation, dass du schon lange in einem Projekt oder Thema drinnen steckst und irgendwann nicht mehr außerhalb der etablierten Denkstrukturen agieren kannst. Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht, obwohl die Lösung vielleicht vor deinen Augen liegt. An diesem Punkt hilft oft der Blick eines/r Außenstehenden um Entwicklungen voranzutreiben.

Während man früher meist nur ein, zwei Experten zu ihrer Meinung und ihren Input befragt hat, haben Unternehmen heute die Möglichkeit sich an die gesamte Netzgemeinde zu wenden. Jede/r User/in als Expert/in auf einem speziellen Gebiet, jeweils mit unterschiedlichem Background und anderem Blickwinkel, kann daher nur eines bedeuten: kreative Ideen und Lösungsansätze, auf die wir selbst nie gekommen wären. Die Geburtsstunde des Crowdsourcing hat geschlagen.

Was aber ist Crowdsourcing genau? Die Definition laut Deutschem Crowdsoucringverband:

Crowdsourcing ist ein Neologismus, der sich aus ‘Crowd’ und ‘Outsourcing’ zusammensetzt. Der Prozess hat seinen Ursprung im Bereich Open Innovation und beschreibt die Auslagerung von Arbeits- und Kreativprozessen an die Masse der Internetnutzer. Crowdsourcing hat verschiedene Unterkategorien, unter anderem Crowdfunding (die Community finanziert gemeinsam ein Projekt), Co-Creation (die Community erschafft gemeinsam ein kreatives Werk) oder Mircroworking (die Community erfüllt kleinere (Teil-)Aufgaben wie z.B. Texterkennung, die final wieder zu einem Gesamtergebnis zusammengesetzt werden).

Die Begriffe Crowdsourcing, Schwarmintelligenz, Weisheit der Vielen,  kollektive Intelligenz oder auch Social Innovation werden oft synonym verwendet. Es gibt aber, wie so oft, feine Unterschiede, die das Resultat eines Prozesses massiv beeinflussen können. Dass z.B. die Weisheit der Vielen als zielorientierter Prozess nicht dasselbe wie die “Wahrheit der Vielen” ist, verdeutlicht Sascha Lobo in dieser Kolumne des Spiegel Online sehr gut.

Und dann gibt es noch das Konzept der Schwarmdummheit, das Sascha Lobo zwar angeschnitten hat, aber in seiner Kolumne nicht auf den Punkt brachte. Das machte aber Gunter Dueck auf der re:publica 2015, wo er mir in amüsanter Weise die Augen öffnete. Ach ja, die BWLer sind übrigens an allem Schuld. 😉

Wissen(sdurst) des Schwarms nutzen

Ein riesiger Wissenspool liegt also vor unseren Füßen, der von einem ebenso großen Wissensdurst der Netzgemeinde begleitet wird. Wie kannst du diesen Sachverhalt für dich und dein Unternehmen am besten einsetzen? Die Möglichkeiten sind hier wirklich vielfältig, je nachdem, ob du Wissen nutzen oder selbst welches beisteuern willst.

Daher hier nur einige Ideen, von denen ich glaube, dass sie dich interessieren könnten:

  • Atizo.com ist eine Brainstorming Community, bei der du selbst Projekte vorstellen, aber auch Ideen zu anderen Arbeiten anbieten kannst. Wenn du weitere Plattformen dieser Art kennst, dann packe sie bitte ins Kommentarfeld.
  • Unternehmenseigene Innovationsplattformen wie Idea Storm von Dell oder auch Tchibo Ideas laden zum Nachahmen ein.
  • Crowdsourcing-Kampagnen über soziale Netzwerke, wie z.B. der Burger Battle von McDonalds könnten das Passende auch für dein Business sein.
  • Beteilige dich an Ratgeber-Communitys, wie gutefrage.net, wo du auch ein Unternehmensprofil erstellen kannst. So hast du die Möglichkeit mit deinem Wissen in den direkten Kontakt mit deiner Dialoggruppe zu treten und deinen Expertenstatus auszubauen.
  • Und nicht zuletzt durch Content Curation kannst du dich und dein Unternehmen im Social Web positionieren. Warum gerade Content Curation für dich das Richtige sein könnte, habe ich bereits in diesem Artikel bearbeitet.

 

Zusammenfassung

Mein Ziel war es dir heute zu zeigen, wie sich ein neuer Umgang mit Wissen im Social Web etabliert hat. Wissen ist heute nicht nur Macht, es ist auch Zukunftspotenzial um Prozesse voranzutreiben und neue, innovative Ideen durch Crowdsourcing zu initiieren. Dabei ist jeder und jede von uns ein/e Expert/in auf einem bestimmten Gebiet und kann einen wertvollen Beitrag dazu leisten, dass mehr und bessere Erkenntnisse gefunden werden. Dass das nicht immer einfach und schnell geht, liegt an eingestampften Pfaden und starren Strukturen des “alten” Systems. Diese lassen sich nur durch langfristige Lernprozesse umgestalten.

Ich hoffe, dass ich dir auch einige Ideen für deine beruflichen Herausforderungen mitgeben konnte. Denke daran: Wer Wissen teilt, hat in Summe mehr davon!

 

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