Hierarchie weicht Reputation und Autorität

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Reputation entsteht durch Netzwerken

Dass es im Social Web keine Hierarchien gibt, davon hast du sicherlich schon öfter gelesen (zumindest hier in dieser Beitragsserie). Aber nur weil es keine klassischen hierarchischen Ebenen gibt, heißt das nicht, dass die sozialen Beziehungen von Menschen im Internet keine Struktur aufweisen. Im Gegenteil, es gibt mehrere Muster, die sich diesbezüglich im Social Web erkennen lassen.

Zu den wichtigsten Schlagworten, wenn es um Beziehungen im Social Web geht, gehören Vernetzung, Engagement, Reputation und Autorität. Über diese Begriffe wird gern und häufig online berichtet, sogar sehr hochwertig, wenn ich das so einschieben darf, und deshalb möchte ich dir heute auch viele weiterführende Links zur Verfügung stellen. Darüber hinaus gibt es aber auch Strukturen über die weniger häufig berichtet wird und auch diese möchte ich heute hier aufgreifen.

Du erfährst in diesem Beitrag,

  • welche Rolle Vernetzung im Social Web spielt,
  • was Strong und was Weak Ties sind,
  • was Online-Engagement mit Reputation zu tun hat und
  • wie im Social Web Autorität aufgebaut wird.

Ein Netz von Menschen

Wenn ich rein aus der menschlichen Perspektive an das Social Web herangehe, dann stelle ich fest, dass es nichts anderes ist, als vernetzte Beziehungen auf Basis gemeinsamer Interessen. Das Web ist ein Abbild der menschlichen Vernetzung und nirgends wird es so klar, wie in dem “Kleine-Welt-Phänomen” von Stanley Milgram. Es handelt sich dabei um…

“[…] eine Hypothese, nach der jeder Mensch (sozialer Akteur) auf der Welt mit jedem anderen über eine überraschend kurze Kette von Bekanntschaftsbeziehungen verbunden ist. Dies ist möglich, obwohl die „Dichte“ des sozialen Netzwerks aller Akteure – gemessen als das Verhältnis der realen zu den rechnerisch möglichen Kontakten der Kontaktpersonen eines jedweden Akteurs – extrem gering ist, nämlich nahe null.”

Auch wenn es zu dieser Hypothese, dass wir alle untereinander nur sechs “Stationen” entfernt sind, scharfe Kritik gab und gibt, so empfinde ich die Idee dennoch als symptomatisch für das Social Web (die Originalstudie geht dabei nicht von Online-Beziehungen aus!). Dazu kommt, dass das Knüpfen von Kontakten und die Suche nach den “richtigen” Connections wesentlich einfacher ist, als im analogen Leben. Insofern, halte ich das “Kleine-Welt-Phänomen” für das Social Web für durchaus möglich.

Weak Ties, Strong Ties

Die Vernetzung im Social Web ist stark und sie ist mit “realen” Beziehungsstrukturen vergleichbar. Charakteristisch für menschliche Beziehungen ist die Untergliederung in Strong bzw. Weak Ties. Strong Ties bezeichnen “starke” Beziehungen, wie z.B. zu Familienmitgliedern und engen Freunden. Weak Ties sind im Gegensatz dazu “schwache” Bande, die zu ArbeitskollegInnen, Online-Bekanntschaften und Menschen, die wir einmal kennengelernt haben, bestehen.

Das Muster dieser Struktur weitet sich auch auf das Social Web aus, jedoch stelle ich hier die Annahme in den Raum, dass durch das Internet unser Rahmen der Weak Ties um ein Vielfaches zugenommen hat. Seit ich online (sehr) aktiv bin, habe ich mehr interessante Menschen kennengelernt, als ich das im analogen Leben jemals hätte. Ich nehme an, dir geht es ganz ähnlich.

Die Funktion dieser Bande ist jedoch, ob analog oder online, ident. Die Wertigkeit einer starken Bindung liegt in der Beziehung selbst, der Vorteil von schwachen Verbindungen liegt in ihrer großen Zahl und Unterschiedlichkeit. Die “Zauberformel” der Weak Ties ist der uns allen sehr gute bekannte Spruch “Ich kenn da wen, der…”.

Jedoch liegt in diesen Weak Ties ein enormes Potenzial. Sie können dir helfen Ziele zu erreichen, Informationen zu finden, Probleme zu lösen und sie können sich gerade durch diese Interaktionen auch zu Strong Ties entwickeln. Aber dazu werde ich in meinem nächsten Beitrag mehr schreiben, wenn es um “reale Beziehungen” im Social Web geht.

Weak Ties haben das Potenzial sich zu Strong Ties zu entwickeln. Klick um zu Tweeten

Reputation heißt Engagement, das Bedürfnisse befriedigt

Innerhalb dieser Online-Netzwerke, gibt es dennoch Personen bzw. Organisationen, die eine gewisse Reputation genießen. Diese hat wenig mit Hierarchie zu tun, sie ist eher das Abbild des sozialen Engagements dieses einen Users. Um es noch deutlicher zu sagen: Vernetzung alleine macht noch keine Reputation aus. Sie entsteht durch das Engagement, das an den Tag gelegt wird, und den Nutzen, den die Netzgemeinde aus diesem Engagement ziehen kann.

Vernetzung alleine macht noch keine Reputation aus. Klick um zu Tweeten

Damit dein Engagement von der Gemeinschaft als wertvoll anerkannt wird und du dir dadurch deinen “Status” verdienst, musst du zuerst verstehen, warum Menschen überhaupt online gehen. Dr. Jan-Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg hat drei Facetten der Internetnutzung identifiziert. Damit beantwortet er uns die Frage, was die Menschen ins Social Web bringt:

  • Identitätsmanagement: Das Darstellen und Verfolgen persönlicher Interessen, Kompetenzen und Meinungen.
  • Beziehungsmanagement: Das Abbilden, Knüpfen und Pflegen persönlicher Netzwerke.
  • Informationsmanagement: Das Stillen von Wissensdurst und die Suche nach relevanten Informationen.

Um Reputation aufbauen zu können, musst du versuchen diese Bedürfnisse der Netzgemeinde abzudecken. Nicht immer wirst du alle drei Facetten erfüllen können, das ist klar, aber du solltest dir dieser dennoch bewusst sein.

In meinem Beitrag über die Participation Inequality habe ich die Social-Technographics-Leiter und die 90-9-1-Regel bereits erwähnt. Dort siehst du sehr gut, dass ein kleiner Teil von UserInnen den Hauptteil der Netzinhalte erstellt. Diese Spitze genießt ihren Onlne-Status, ihre Reputation, zurecht, denn sie sind die treibende Kraft des Social Webs. Dank ihres Engagements können wir heute online aus einem riesigen Wissenspool schöpfen.

Der Weg zur Autorität führt über Thought Leadership

Der Weg von Online-Reputation zur Online-Autorität ist aber für viele von uns noch ein weiter. Während du den Status eines eifrigen und wertvollen Onlinemitglieds relativ schnell aufbauen kannst, heißt es sich in Sachen Autorität als Thought Leader zu positionieren. Das ist ein langwieriger Prozess, für den du in der Tat hart arbeiten musst.

Meinungsführer bauen sich durch ihr Handeln und ihr Engagement für die Gruppe Autorität auf. Das machen sie indem sie dazu beitragen, das Beste aus der Gemeinschaft herauszuholen, damit für so viele Mitglieder wie möglich ein Vorteil entsteht. Sie teilen ihr Wissen, bieten Hilfestellung und stellen niemals sich selbst ins Zentrum. Echte Thought Leader beziehen allerdings auch Stellung, sie übernehmen Verantwortung und verstehen, dass sie nur aufgrund ihrer Fans und Follower zu ihrem Leadership berechtigt sind. Sehr knapp formuliert: Sie führen, weil sie dienen.

Thought Leader führen, weil sie der Gemeinschaft dienen. Klick um zu Tweeten

Linksammlung

In der Einleitung zu diesem Beitrag habe ich dir eine Sammlung an weiterführenenden Beiträge versprochen, hier kommt sie nun. Es ist nur eine kleine Auswahl, da mir einige Quellen entfallen sind und partout nicht mehr einfallen wollen. Ich werde diese Linksammlung daher ergänzen und auch du bist eingeladen, deine Lese-Tipps in den Kommentaren zu hinterlassen. Ich nehme diese gerne in die Liste auf!

Beziehungsaufbau & Reputationsmanagement

Derzeit ist zwar nur der erste Teil online, aber dieser ist schon so hilfreich, dass er für sich alleine stehen kann. Jutta Beyer schreibt hier über nachhaltigen Beziehungsaufbau mittels Blogs und Social Media. Liebe Jutta, gib mir Bescheid sobald der nächste Teil veröffentlicht ist, damit ich auch diesen hier einbinden kann.

Über Beziehungen und Einfluss schreibt Robert Weller in diesem Beitrag. Denn im Social Web dreht sich nunmal nicht alles um Geld, manchmal sind auch die Menschen wichtig. 😉

Dem Thema Reputationsmanagement im Social Web widmet sich auch Stefan Schütz in seinem gleichnamigen Artikel in Rahmen einer Blogparade.

Positionierung & Personal Branding

Online-Positionierung ist besonders dann sinnvoll und wichtig, wenn du von deiner Online-Präsenz lebst. Wie sich Unternehmen und BloggerInnen durch Contant Marketing und Blogs am besten positionieren, schreibt Robert Weller auf toushenne.de

Den ultimativen Guide für dein Personal Branding verspricht dir Hubspot. Ob er für dich ultimativ ist, musst du selbst entscheiden, ich fand ihn auf alle Fälle sehr hilfreich.

Sonja Schwarz schreibt auf textmelange.at über Personal Social Branding für Experten.

Wie sich Unternehmen durch Content Curation positionieren können (und warum sie das tun sollten), erklärt Andreas Quinkert in diesem Beitrag.

Einen tollen Leitfaden für Personal Branding liefert auch Neil Pattel. Wirklich toll gemacht.

Autorität & Thought Leadership

Zur Bedeutung und zu den Merkmalen einer digitalen Marke, wie man Markenaufbau messen kann und wie Google in der Lage ist Markenstärke bzw. Autorität zu identifizieren, dazu schreibt Olaf Kopp in diesem Beitrag.

Auch der Blog von Kissmetrics nimmt sich des Themas Aurotität an und bietet hier einen Leitfaden in mehreren Teilen.

Und als vorläufiger Abschluss ein sehr guter Artikel von Oliver Marquardt in der HuffingtonPost. Er hebt die Rolle der Gemeinschaft im Rahmen der eigenen Positionierung hervor und schließt, wie ich finde, sehr gekonnt den gesamten Online-Reputations-Kreis.

Fazit

Das Ziel diese Beitrags war es, zu zeigen dass Hierarchien im Social Web durch Vernetzung, Engagement, Reputation und Autorität abgelöst werden. Habe ich es geschafft? Zusätzlich bietet dir die Linksammlung einen tiefen Einblick in dieses breite Themenspektrum. Ich hoffe, du findest alle Infos, die du brauchst. Natürlich freue ich mich über dein Feedback und deine persönlichen Lesetipps!

 

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