Respekt als Kommunikationsbasis

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Respekt als Kommunikationsbasis

Respekt. Ein wichtiges Wort, das viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Assoziationen verbinden. Nicht wenige wünschen sich mehr davon in der alltäglichen Kommunikation und in sozialen Netzwerken. Für viele scheint es irgendwie „selbstverständlich“ und dennoch findet sich Respekt als Kommunikationsbasis nicht überall – weder in Familien noch in Unternehmen. Warum? Meiner Meinung nach, weil Respekt allzu oft mit Gehorsam gleichgesetzt und daher bereits Kindern falsch vermittelt wird. Die Folgen sind gravierend – für alle Beteiligten.

Respekt ist nicht gleich Gehorsam

Dass es wichtig ist, wissen wir, aber wo fängt Respekt eigentlich an und kann man Menschen zu Respekt erziehen? Wenn ja, wie? Für mich sind die Antworten ganz klar: ja, zu Hause.

Meine Kinder hätten keinen Respekt vor mir. Diesen Einwand habe ich nicht nur einmal gehört. Mich treffen solche Aussagen allerdings nicht, denn sie bauen auf einem großen Missverständnis auf: Respekt wird oft mit Gehorsam gleichgesetzt. Natürlich haben diese zwei Begriffe einige Berührungspunkte – sie haben aber vor allem zwei unterschiedliche Gewichtungen: Gehorsamkeit baut auf Angst/Strafe auf, Respekt hingegen auf Würde. Das ist ein großer Unterschied!

Es gibt Tage, da wünsche ich mir von meinen Kindern sicherlich mehr Gehorsam – ganz einfach, weil es für mich einfacher wäre. Im Grunde wünsche ich mir für sie aber ein gesundes Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, sich selbst und anderen gegenüber mit Würde und Respekt gegenüberzutreten. Dieses Verhalten müssen sie lernen und praktizieren (können) – und das können sie eben nur zu Hause, in einem sicheren Umfeld. Nur dann können wir diese Verhaltensweisen auch bei erwachsenen Personen voraussetzen.

Das Prinzip der Würde bzw. Gleichwürdigkeit ist in der Soziologie nichts Neues. In Bezug auf Kindererziehung hat dieses Prinzip der Familientherapeut und Buchautor Jesper Juul in den letzten Jahren stark geprägt. Auch wenn ich seine Meinung nicht immer zu 100% teile, so finde ich seinen Grundgedanken absolut richtig: Wenn wir uns einen respektvollen Umgang innerhalb unserer Gesellschaft wünschen, dann müssen wir bei den Erwachsenen von morgen anfangen.

Exkurs: Von und mit Kindern lernen

Würde, Respekt und Kommunikation

Jeder Mensch hat von Geburt an die gleiche Würde, verdient den gleichen Respekt und daraus resultierend – ehrliche Kommunikation. Während viele das unter Erwachsenen für selbstverständlich ansehen, ändert sich diese Meinung leider zu oft, wenn es um Kinder geht. Es stimmt, dass Kinder in sehr vielen Dingen noch unsere Anleitung und Hilfestellung brauchen, das heißt aber nicht, dass sie nicht selbstständig denken und handeln können.

Kinder brauchen reale Eltern und reale Erlebniswelten. Sie brauchen auch die Erfahrung von ehrlicher Freude und echter Konfrontation, echtem Streit und wahrer Empathie. Dabei ist allein wichtig, dass wir unsere Würde behalten und uns mit Respekt begegnen, selbst wenn wir nicht derselben Meinung sind. So lernen Kinder einen gesunden Umgang mit anderen, ohne dabei ihre Würde untergraben zu müssen.

Ehrliche und respektvolle Kommunikation – von wem?

Wenn ich von Respekt und Würde rede – eben nicht nur bei Kindern – so kann es für mich nur den Weg der ehrlichen Kommunikation geben. Umgekehrt gibt es diese nicht, wenn es keinen Respekt zwischen den Beteiligten gibt. Wenn ich mich so online umschaue, fehlt es irgendwie an allem, oder?

Ich denke jetzt nicht nur an „kuriose“ Fernsehauftritte von Staatspräsidenten oder Hasspostings in sozialen Netzwerken. Bei diesen Beispielen ist es klar, dass die Personen kein respektvolles und würdevolles Verhalten anderen gegenüber aufweisen, aber, und das schreibe ich nun ganz bewusst: auch die Gegenseite ist meist kein Stück besser! Ja, sie vertritt vielleicht gesellschaftlich akzeptierte(re) Standpunkte, aber sie bedient sich meist derselben Mitteln und schimpft in derselben Tonlage.

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Klingt falsch. Ist falsch. Das können und sollten wir besser machen – als Menschen und Unternehmen.  Aber wie?

7 Richtlinien für eine respektvolle Unternehmenskommunikation

Eine respektvolle, digitale Unternehmenskommunikation ist nicht viel anders als der analoge, respektvolle Dialog unter Menschen selbst. Es gibt „Grundregeln“, die wir in jeder Art von Kommunikation beachten sollten. Hier habe ich jene herausgesucht, die mir zur Zeit besonders relevant erscheinen.

  1. Bleib bei der Wahrheit
    Das ist wirklich nichts Neues. Es stimmt, irgendwann kommt jede Unwahrheit ans Tageslicht – ein Blick in die Zeitungen genügt: Abgasskandale bei Autoherstellern, zum Beispiel. Aber, wenn ich sage, dass es besser ist bei der Wahrheit zu bleiben, meine ich nicht nur das bewusste Lügen. Die Verdrehung von Tatsachen oder das Ausblenden von bestimmten Informationen ist genauso falsch!
    Auch als Unternehmen sollte man mit der ganzen, zur Verfügung stehenden Information an seine Stakeholder herantreten und seinen unternehmensinternen Standpunkt begründet vertreten. Das zeugt von Stärke, Authentizität und Wertschätzung. Darüber hinaus führt es zu einem offenen Dialog.
  2. Standpunkt beziehen
    Unternehmen haben ihre Standpunkte, so wie Menschen auch. Das dürfen sie und sollen sie haben – und sie sollten sie auch offen nach außen tragen. Das Wichtige ist, dass man diesen Standpunkt auch begründen kann. Worauf basiert diese Einstellung? Welche Informationen haben zu diesem Standpunkt geführt.
    Natürlich wird man mit einem gewissen Standpunkt nicht immer allen gefallen, aber muss man das überahupt? Warum allen gefallen, wenn es doch viel wichtiger ist, bei jenen zu punkten, die für das eigene Unternehmen wichtig sind? Hierzu habe ich auch einen Beitrag auf zielbar.de verfasst, den du dir bei Interesse durchlesen kannst.
  3. Tatsachen durchleuchten, Standpunkte ändern
    Ich bin der Meinung, dass Standpunkte auf Tatsachen beruhen sollten. Wenn sich Tatsachen ändern, dann dürfen sich auch Standpunkte ändern. Das ist für viele Unternehmen (und Menschen!) ein großes Problem. Oft sind sie der Meinung, dass das ein Ausdruck von Schwäche oder gar Dummheit ist. Dem widerspreche ich ganz klar und bediene mich eines tollen Zitats:

    Man kann immer seinen Standpunkt ändern, weil dir niemand verbieten kann, klüger zu werden. (Konrad Adenauer)

    Ja, auch als Unternehmen darf man wachsen und klüger werden. Dafür muss man nicht auf die nächste Krise warten.

  4. Meinungen von Tatsachen unterscheiden
    Dieser Punkt könnte irgendwie klar und logisch sein, ist er aber nicht. Die Trennung von Meinungen und Tatsachen ist komplizierter, als man glauben mag. Auf der Webseite der IT-Recht Kanzlei habe ich einen tollen Beitrag dazu gefunden.
    Mir ist an dieser Stelle wichtig zu zeigen, dass Meinungen im Gegensatz zu Tatsachen immer eine Wertung beinhalten. Eine Wertung ist immer nur in Bezug auf denjenigen bzw. diejenige zu sehen, die/der die Meinung äußert. Sprich, Meinungen sind immer subjektiv und basieren auf persönlichen Erfahrungen und Erkenntnissen.
  5. Meinungen äußern, Meinungen respektieren
    Ich denke, dass man auch als Unternehmen eine Meinung haben und sie klar darlegen darf. Es muss jedoch immer deutlich hervorgehen, was eine Meinung (und wessen Meinung!) und was eine Tatsache ist. Gleichzeitig muss die Meinungen anderer respektiert werden – auch wenn unser Gegenüber das nicht schafft! Das ist hart, ich weiß.
    Hier müssen wir sachlich bleiben und einen kühlen Kopf bewahren. Meist werden Meinungen sehr emotional verteidigt, was wir nicht immer nachvollziehen können. Müssen wir auch nicht! Wichtig ist, diesen Emotionen dieselbe Wertigkeit zuzugestehen, wie unseren eigenen. Mehr zur Wertigkeit von Emotionen im digitalen Raum habe ich hier schon einmal thematisiert.
  6. Fehler eingestehen
    Verlange ich hier schon zu viel? Ich kann mich nicht an viele freiwillig eingestandene Fehler und dadurch resultierende Entschuldigen seitens Unternehmen im digitalen Raum erinnern. Was ist mit dir? Meist fallen Entschuldigungen erst dann, wenn man von außen regelrecht dazu gezwungen wird.
    Schade, denn da ist es oft schon zu spät. Erstens glauben die Dialoggruppen einem an diesem Punkt nicht mehr und zweitens lässt sich der Fehler dann auch kaum noch beheben.
  7. Dankbarkeit zeigen
    Dankbarkeit ist für mich untrennbar mit Respekt verbunden. Öffentlich danke zu sagen, gehört daher zu einer respektvollen Kommunikation dazu! Ein kleiner Tipp: Bedanke dich nicht nur bei deiner wachsenden Fangemeide auf Facebook. Wie wäre es denn zum Beispiel mit deinen Mitarbeitern, Lieferanten oder deinem treuesten Kunden?

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Respekt als Kommunikationsbasis zahlt sich aus

Ich weiß, ich habe mit diesem Beitrag ein großes Feld abgesteckt, das weit über die digitale Unternehmenskommunikation hinausgeht. Dennoch glaube ich, dass es wichtig und richtig ist, sich vor Augen zu führen, wie und warum sich Respekt als Kommunikationsbasis bezahlt macht. Ja, es ist nicht immer der einfachste und schnellste Weg zum Ziel, weder zu Hause noch im Unternehmen, aber es ist der einzig nachhaltige. Was meinst du?

Wie realistisch ist es, solche Richtlinien in der Unternehmenskommunikation tatsächlich zu leben? Schaffst du es? Falls nein, was sind deine größten Hindernisse?

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