Freiheit, Hass und Grenzen im Social Web

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Blogger für Flüchtlinge

Es ist still geworden auf meinen Social-Media-Profilen – vergleichsweise zumindest. Denn ich bin geschockt, sprachlos und zugleich zutiefst bewegt, von dem, was sich um mich herum in den letzten Wochen und Monaten abspielt. Es ist schwer für Menschen mit ausgeprägtem empathischen Bewusstsein und gesellschaftspolitischem Interesse – und als so einen Menschen sehe ich mich – durch das Social Web zu surfen und absolut unberührt zu bleiben.

In den letzten Wochen kommt mir immer wieder diese eine Frage hoch: “In was für eine Welt habe ich da meine Kinder hineingeboren?” Und schon kommen mir die Tränen hoch – vor Wut und Unverständnis, wegen meiner Hilflosigkeit und der Tatsache, dass ich die Welt nicht retten kann.

Eine Möglichkeit mit diesem Meer an Gefühlen umzugehen, ist sich abzuschotten, die Augen zu verschließen und mit Scheuklappen durch die Welt zu gehen. Aber das ist nicht mein Weg! Obwohl ich manchmal die Schar der “Ignoranten”, “Dummen” und “Ausblender” beneide, weil ihre Welt so einfach erscheint, bin ich doch glücklich, dass ich nicht zu diesen gehöre. Gelöst von meiner Schockstarre, habe ich beschlossen Taten zu setzen, wenn alle Worte ausgeschöpft sind.

Solche “Taten” müssen nicht jene einer Superheldin sein. Es sind die kleinen Schritte, die dich deinem Weg näher bringen. Es ist die Gemeinschaft, die große Veränderungen hervorbringt. Wir alle sind diese Welt und wir alle haben die Macht etwas zu bewegen. Wir alle sind Vorbilder für unsere Kinder. Wir alle sind Helden, wenn wir Menschen in Not die Hand der Nächstenliebe reichen. Wir alle sind #BloggerfuerFluechtlinge.


Hasspostings im Social Web

Gestern Abend hatte die Wiener Zeitung bereits einen Kommentar von Isolde Charim auf Facebook veröffentlicht, der in der heutigen Printausgabe erschienen ist. Sie fragt sich, wie man auf Hasspostings am besten reagieren sollte. Eine Frage, die auch mich in den letzten Woche stark beschäftigt hat. Aber eben nicht nur mich. Sacha Lobo beschäftigte dasselbe Thema in seiner Spiegel-Kolumne. Seine Meinung? Gegenrede ja, aber ohne Hass. Ich stimme ihm zu, aber das ist meine Art.

Macht es Sinn mit der selben Wut und der gleichen Ladung an Emotionen zu antworten? Bekanntlich hat der Verstand wenig Erfolgt, wenn die Emotionen mit einem durchgehen. Das gilt für alle Diskutanten. Im Social Web diskutiert und streitet es sich außerdem leichter, schneller, unüberlegter – das liegt wohl in seiner Natur. Dennoch ist auch hier nicht alles erlaubt und sollte auch nicht alles toleriert werden. Hier also ein weiterer Versuch von mir aktuelle gesellschaftpolitische Probleme mit der Thematik meines Blogs zu verknüpfen, wie ich es bereits in diesem Beitrag zu Veränderung der Politik gemacht habe.

Im Social Web streitet es sich leichter, schneller, unüberlegter - das liegt wohl in seiner Natur Klick um zu Tweeten

Meinungsfreiheit im Social Web

Ein Thema, das in Bezug auf die Flüchtlingsproblematik und Hasspostings immer wieder auftaucht, ist jenes der Meinungsfreiheit. Wo fängt Meinugsfreiheit an, wo hört sie auf und an welcher Stelle stehen hetzerische Postings, in denen Gewalt gepredigt wird?

Als aktives Mitglied der digitalen Gemeinschaft halte ich den Wert der Meinungsfreiheit hoch. Grundsätzlich hat jeder das Recht seine Meinung frei zu äußern. Jeder hat das Recht auf Informationen und Wissen. Jene, die helfen, Missstände oder Fehler des Systems aufzudecken, verdienen unseren Respekt, gerade weil sie oft auch ihre eigene Sicherheit und Freiheit aufs Spiel setzen. Aber Hasspostings? Haben diese Anspruch auf Meinungsfreiheit? Ist das Freiheit?

Heißt Freiheit tun und lassen können, was man will, wie man will und wann man will? Falls du auf einer einsamen Insel lebst oder ein Dispot bist, vielleicht dann. Aber innerhalb einer Gemeinschaft würde diese Einstellung zu reinem Chaos führen.

Der allgemein Akzeptierte Leitgedanke lautet wohl immer noch: Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit eines anderen beginnt – sei es durch Taten oder Worte.

Meine Freiheit endet dort, wo deine Freiheit beginnt. #BloggerfuerFluechtlinge Klick um zu Tweeten

Auf die vielzitierten Hasspostings übersetzt heißt das, dass grundsätzlich jede Meinung dasselbe Recht hat geäußert zu werden. Beschneidet deine Äußerung jedoch die Freiheit eines anderen und seinen Wert als Mensch, hast du dir eindeutig zu viel Raum genommen. Drohst du darüber hinaus mit Gewalt oder stiftest zur selben an, drohen dir sogar rechtliche Schritte. Und ja, ich bin der Meinung, dass hier soziale Netzwerke, rechtliche Instanzen und gesellschaftliche Institutionen hart durchgreifen sollten! Beleidigungen, Hetze und Drohungen sind keine Meinungsfreiheit.

Der Respekt vor echten Emotionen

Jetzt wo die Grundlagen geklärt sind, möchte ich noch eine andere Perspektive einfügen. Das Social Web hat einen überaus sozialen Charakter, den ich schon oft betont habe. Dennoch vergessen wir manchmal, dass hinter jedem Stück Content und hinter jedem Posting, ja auch einem Hassposting, eine reale Person steht. Ich würde mir wünschen, und nach dieser Prämisse handle ich auch, dass wir jeder Person mit dem nötigen Respekt entgegentreten. Ich weiß, es ist nicht immer so leicht. Am liebsten würden wir jemanden den Stempel “Vollidiot” auf die Stirn drücken, uns umdrehen und gehen, aber … es fühlt sich nicht richtig an, oder?

Es gibt einen Grund, warum Menschen so handeln und reagieren, wie sie es tun. Oftmals sind diese Gründe für uns nicht nachvollziehbar, aber die Ängste und Unsicherheiten dieser Menschen, die sie mit Wut und Aggression zu verdecken versuchen, sind real. Versucht man diese Gefühle als “dumm” oder “lächerlich” darzustellen, verschlimmert es die Situation nur. Es ist fast so, als würdest du einem 4-jährigen Kind ins Gesicht lachen, wenn es sagt, dass es Angst vorm Dunkeln hat. Es reagiert mit Trotz und Wut, wird aggressiv gegenüber dir oder sich selbst. Dennoch bleibt seine Angst real. Genau diese Angst (und nicht etwa die hetzerische Aussage!) gehört respektiert.

Reale Ängste verdienen Respekt, auch wenn sie unbegründet und gefährlich sind. #BloggerfuerFluechtlinge Klick um zu Tweeten

Mit Hasspostings anders umgehen

Wie kannst du nun mit hetzerischen Aussagen im Social Web und in deiner unmittelbaren Umgebung umgehen? Eine wirklich schwierige Frage, auf die ich nur mit einem Vorschlag antworten kann. Ich kann dir sagen, wie ich darauf reagiere und dich einladen es auch einmal zu versuchen.

Ein wichtiger Punkt für mich ist, es gar nicht erst zu einer zu emotionalen Diskussion ausarten zu lassen. Das geht im privaten Umfeld ganz gut. Atme regelmäßig tief durch, zähle bis drei und überlege dir genau, was du sagst. Vergiss dabei den Respekt gegenüber der anderen Person nicht, selbst, wenn du nicht seine/ihre Meinung teilst.

Im Netz ist das schon fast eine Sache der Unmöglichkeit. Auch wenn du dich bemühst sachlich zu bleiben, gibt es Tausende andere, die nur darauf warten ihre Emotionen rauszulassen. Hier kämpfst du also gegen Windmühlen – ich würde mir an dieser Stelle meine seelische Ruhe bewahren und nicht mitstreiten. Es sei denn, die Botschaft richtet sich an mich persönlich oder findet in “meinem” Raum (meinem Blog, meiner Facebookseite, etc.) statt. Hier würde ich hart, klar und respektvoll durchgreifen.

Aber wie weiter? Wenn die Worte ausgeschöpft sind, ist es Zeit Taten zu setzen. Du kannst Hasspostings melden, du kannst deine/n MitarbeiterIn entlassen, du kannst unter #BloggerfuerFluechtlinge bloggen und spenden und du kannst – mein Favorit – mit gutem Beispiel voran gehen und zeigen, wie es anders geht.

Engagiere dich im Rahmen deiner zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten. Sei Vorbild. Sei Mensch.

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