Content Marketing: 3 Fragen, viele Antworten

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Vertrauen beim Content Marketing

Vor einigen Wochen wurde ich von einer jungen Studentin per Facebook angesprochen, ob ich Zeit und Interesse hätte, sie bei ihrer Bachelorarbeit zu unterstützen. Das große Thema sei Content Marketing und sie benötige einige ExpertInneninterviews – ob sie mich interviewen dürfte. Ich sagte natürlich auf Anhieb ja, erstens weil das “mein” Themengebiet ist, zweitens weil ich weiß, wie schwierig es sein kann als Studentin Interviewpartner zu finden und drittens, weil ich Menschen gerne helfe, wenn ich das kann. Da ich bei den Fragen, die mir diese junge Frau stellte, wieder etwas tiefgründiger über mein Arbeitsgebiet nachdachte, will ich drei dieser Fragen und meine Antworten für diesen Blogbeitrag heranziehen. Ich bin gespannt auf eure Meinungen und vor allem, ob ihr die Fragen genauso, so ähnlich oder ganz anders beantwortet hättet! Plus: Ich lüfte das Geheimnis, was es mit dem Autokauf auf sich hat…

Dem Buzzwort auf dem Zahn gefühlt

Wir trafen uns an der Wiener Wirtschaftsuniversität im Rahmen des “The next Generation”-Events der Marketing Natives, bei dem ich an diesem Abend die Moderatorinnenrolle übernehmen durfte. Da “meine” Studentin das Interview aufzeichnen und transkribieren sollte, suchten wir ein ruhigeres Plätzchen – was gar nicht so einfach war – und begannen ein sehr angenehmes Gespräch. Ein wenig tut sie mir leid. Ich rede oft “Kraut und Rüben”, wenn ich von einem Thema begeistert bin. Meist kommt mein Mund der Informationsflut meines Gehirns nicht ganz hinterher und dementsprechend herausfordernd wird die Niederschrift dann wohl auch sein. Dennoch hoffe ich, dass ich ihr einen Einblick geben konnte, was hinter diesem Buzzwort steckt/stecken kann.

Die Rolle der Onlinekommunikation

Wie wichtig ist Ihrer Erfahrung nach, Onlinekommunikation für Unternehmen im Laufe der Jahre geworden und aus welchem Grund?

Diese Frage ist nicht einfach und auch nicht im Rahmen eines Satzes oder gar Absatzes zu erklären. Ich möchte es dennoch versuchen.

Die Verbreitung des Internet hat die Weichen für erfolgreiche Onlinekommunikation gelegt. Der Zugang zum Medium ist, Rechner und Internetanschluss vorausgesetzt, relativ schnell und einfach möglich. Informationen sind leicht zugänglich, es gibt keine Gatekeeper und der Konsument selbst kann auch als Produzent aktiv werden. Das Internet ist ein auf Dialog ausgelegtes Medium.

Dazu kommt, dass die Generation Y, die nun endgültig erwachsen ist, mit dem Internet groß geworden ist. Onlinekommunikation ist daher eine “Muttersprache” dieser und aller nachfolgenden Generationen. Die jungen Menschen fragen nicht, ob sie Onlinekommunikation nutzen sollen, sondern wie und in welcher Form Onlinekommunikation für ihren Lebensstil am besten funktioniert. D.h. diese Art der Kommunikation wird von Grund auf überhaupt nicht (mehr) in Frage gestellt. Warum einige Unternehmen das heute dennoch immer noch tun, ist mir nicht klar. Um es überspitzt zu sagen: Wer nicht online ist, den gibt es nicht.

Definition von Content Marketing

Wie würden Sie Ihrer Meinung nach „Content Marketing“ definieren?

Hier gibt es ja eine Fülle von Definitionsmöglichkeiten. Ich habe für mich selbst folgende Einschätzung als passendste gewählt: Content Marketing ist für mich eine Kommunikationsstrategie, angesiedelt an der Schnittstelle von Public Relations und Marketing, die mit Informationen und hilfreichen Inhalten ihre Zielgruppe erreichen will. Ziel ist es, den Content-Produzenten (seien es Unternehmen, Marken oder Personen) als ExpertIn in seinem/ihrem Gebiet darzustellen und zwar so, dass er/sie die Bedürfnisse seiner/ihrer Dialoggruppen ins Zentrum der Kommunikation rückt und anhand dieser Anliegen fachliches Wissen zur Verfügung stellt. Diese Strategie soll eine langfristige Bindung und einen ehrlichen Dialog ermöglichen, der  Vertrauen aufbaut.

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Herausforderungen, Risiken und Chancen

Welche Risiken bzw. Herausforderungen sehen Sie beim Einsatz von Content Marketing? Worin erkennen Sie die größten Chancen von Content Marketing?

Da ich Content Marketing als Kommunikationsstrategie definiert habe, muss es zur allgemeinen Unternehmenskommunikation und damit zum Vision und Mission Statement des Unternehmens (Person, Institution,…) passen. Die größte Herausforderung ist es daher Content Marketing auf diesem hohem Niveau zu implementieren. Das größte Risiko ist direkt daran gebunden und zwar, Content Marketing nur halbherzig, oberflächlich oder gar “scheinheilig” abzuwickeln. Warum? Content Marketing hat Vertrauen, Bindung und ehrlichen Dialog mit den Zielgruppen zum Ziel. Wenn man hier von Anfang an unaufrichtig herangeht, merkt das die Dialoggruppe früher oder später und das kann tatsächlich fatale Folgen haben.

Eine andere Herausforderung des Content Marketing, die eigentlich in der ersten enthalten ist, ich aber noch extra hervorheben möchte, ist das wohl schwerste Learning, das man als Unternehmen verinnerlichen muss: Die Menschen da draußen interessieren sich nicht für dich, deine Produkte und deine Angebote. Sie interessieren sich nur für die Lösung ihrer eigenen Probleme. Sich selbst und seine Produkte ins Zentrum zu rücken ist daher unsinnig. Aber, erklär das einmal einen CEO! 😉

Die Vorteile des Content Marketing sind die einer jeden guten Beziehung und Freundschaft: Vertrauen, Dialog, Unterstützung. Langfristig gedacht bringt Content Marketing natürlich auch mehr Leads, mehr Umsatz – aber Content Marketing ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

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Und von wem kaufst du deinen Gebrauchten?

Zur Verdeutlichung, hier noch ein Vergleich: Stell dir vor, du willst einen Gebrauchtwagen kaufen. Du träumst von einem BMW, das Budget reicht aber wohl eher für einen Seat. Im Grunde willst du aber, dass dein Gebrauchter dich zumindest die nächsten fünf Jahre nicht im Stich lässt und du dein Geld nicht umsonst ausgegeben hast.

Nachdem du im Netz recherchiert hast, findest du ein interessantes Angebot, wo ein dir unbekannter Mann seinen fünf Jahre alten VW Passat  – angeblich scheidungsbedingt – für wenig Geld verkaufen muss. Klingt verlockend, denkst du dir, aber unsicher bist du trotzdem. Irgendeinen Hacken hat die Sache vielleicht doch?

Auf der anderen Seite weißt du, dass deine Tante ihren zehn Jahre alten, garagengepflegten und nur an den Wochenenden gefahrenen Ford für einen wirklich guten Preis verkauft. Du weißt, dass sie nie einen Unfall hatte und kennst sogar den Automechaniker, der sich um Tantes Wagen kümmert. Sogar der meinte, dass er den Ford kaufen würde, wenn er ein Auto bräuchte.

Für welchen der zwei PKWs entscheidest du dich? Kaufst du von der Person, die du kennst, zu der du Vertrauen hast und bei der du weißt, was du für dein Geld bekommst oder verfällst du lieber einem gut klingenden Angebot aus dem Netz, das ein dir Unbekannter hochgeladen hat?

Vertrauen macht einen Unterschied

Vielleicht entscheidet sich der/die eine oder andere für das erste Auto. Ich bin aber überzeugt, dass die meisten von uns doch den Wagen der Tante kaufen würden. Ganz einfach, weil wir unsere Tante unser Leben lang kennen und ihr vertrauen. In unsicheren Situationen, wo wir die komplette Sachlage nicht kennen oder uns einfach nicht entscheiden können, greifen die meisten von uns auf Vertrautes und Bewährtes zurück.

In unsicheren Situationen greifen wir auf Vertrautes und Bewährtes zurück. Klick um zu Tweeten

Vertrauensbasierte Beziehungen kann man bewusst in die Wege leiten. Wenn es beide Seiten ehrlich meinen, entsteht eine Win-Win-Situation, die das gegenseitige Vertrauen weiter verstärkt. Ja, Vertrauen und Dialog braucht Zeit, Ausdauer und Investition, aber es zahlt sich aus – mit Sicherheit. Oder? Wie siehst du das?

Kommentare 5

  1. Liebe Ivana,

    Danke für die inspirierenden Gedanken zum Start in die neue Arbeitswoche. 🙂

    Lg Julia

    • Liebe Julia,

      schön, dass ich dich inspirieren konnte! Das hört man gerne.

  2. Pingback: #geileworkshops machen Content Marketing - Marketing Natives

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