Gefangen im Content-Shock?

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Zu viel Content, zu wenig Zeit.

Ich habe es in meinem letzten Newsletter schon angesprochen: Wir – die bloggenden OnlinerInnen – produzieren immer mehr Content. Der Trend der letzten Jahre ging eindeutig in die Richtung, immer mehr Content in immer kürzeren Abständen zu produzieren. Aber nicht nur das, Google will von uns nicht nur mehr und öfter, sondern auch besseren und längeren Content. Kein Wunder, dass immer wieder der Begriff des Content-Shocks auftaucht.

Content-Shock und seine Folgen

Der Begriff Content-Shock kam mir das erste Mal in diesem Beitrag von Mark Schaefer unter. Die Veröffentlichung dieses Artikels löste eine Lawine an positiven wie auch negativen, oder sagen wir kritischen, Reaktionen aus. Ob tatsächlich alles stimmt, was Mark Schaefer dort schreibt, werden wir noch sehen. Fest steht, dass diese stetige Zunahme an Online-Inhalten für Unternehmen und UserInnen in gleicher Weise einen guten oder auch weniger guten Entwicklungsverlauf nehmen kann.

Die stetige Zunahme von Online-Content hat gute und schlechte Seiten. Klick um zu Tweeten

…aus Unternehmenssicht

Unternehmen “kämpfen” an mehreren Fronten gleichzeitig: Sie kämpfen um die Aufmerksamkeit der UserInnen, sie kämpfen um die Platzierung bei Suchmaschinen und nicht zuletzt kämpfen sie intern, um die Ressourcen und Kapazitäten, um den immer schneller werdenden Rhythmus halten zu können. Das ist einfach wahnsinnig anstrengend, egal ob man ein großes oder ein Ein-Frau-Unternehmen ist!

Es ist aber nicht nur kräftezehrend, aus meiner eigenen Perspektive kann ich sagen, dass man durch dieses ewige Hinterherlaufen sehr unproduktiv wird. Erstens verliere ich den Spaß an der Sache, zweitens werde ich in vielfacher Sicht unkreativ und drittens habe ich eine Art Scheuklappen-Sicht entwickelt. Es ist teilweise so, als ginge es im Business um (fast) nichts anderes mehr, was weit weg von der Wahrheit ist. Darüber hinaus haben wir “Digitalen” ohnehin das (potenzielle) Problem des FOMO und der analog-sozialen Vereinsamung. Na gut, ganz so schlimm ist es bei mir noch nicht, aber die Tendenz lässt sich dennoch feststellen. Ich kann mir schon denken, was mein Mann und meine Kiddies dazu sagen würden… 😉

Gut an dieser schnelllebigen Content-Entwicklung für Unternemen ist sicherlich die tiefgreifende Beschäftigung mit dem Unternehmen selbst, mit seinem USP, den Zielgruppen und den eigenen Werten. Wenn man online stark – sowohl für Suchmaschinen als auch für die UserInnen – sein will, kommt man nicht an der Selbstreflexion und ständigen Re-Positionierung vorbei. Hier lernt man sich, als Unternehmen, wirklich sehr gut kennen und das ist wichtig.

Unternehmen kämpfen im Content-Kampf an mehreren Fronten gleichzeitig. Klick um zu Tweeten

…aus Besuchersicht

Für die UserInnen des Social Web bringt dieser Content-Wettbewerb mit Sicherheit viele Vorteile. So müssen sich Unternehmen immer mehr und immer besser den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Zielgruppen anpassen. UserInnen können online aus dem Vollen schöpfen und wissen, dass Unternehmen für ihre Relevanz und Autorität hart arbeiten müssen. Hier spielt die Qualität der Inhalte eine entscheidende Rolle.

Aber, das ist klar, auch BesucherInnen kennen FOMO sowie das Gefühl der Informationsüberflutung und die starke Verunsicherung, die damit einhergeht. Egal, was sie googeln, UserInnen finden hunderte an Quellen, die viele unterschiedliche, zum Teil diametral entgegengesetzte Standpunkte und “Wahrheiten” vertreten. Wem glauben? Was lesen? Und noch wichtiger: was nicht? OnlinerInnen müssen gezielt und in Bruchteilen von Sekunden entscheiden, was für sie relevant, wichtig, nützlich ist und was nicht. Aber, die “Angst” bleibt: Was, wenn ich mich falsch entschieden habe?

UserInnen sind nicht selten überfordert vom Online-Content-Angebot. Was lesen? Wem glauben? Klick um zu Tweeten

Ist der Content-Shock real?

In diesem Wirrwarr an Überlegungen, die mir in den letzten Wochen – als ich versucht habe mit meiner Familie einen entspannteren Sommermonat zu genießen – durch den Kopf geschossen sind, bin ich auf einige Entwicklungen und Ideen gestoßen, die vielversprechend klingen um der Content-Flut als Content-ProduzentIn zu entkommen. Die grundsätzliche Vorab-Frage, ob es diesen Content-Shock überhaupt gibt, muss aber jede/r für sich selbst beantworten.

Ob es einen Content-Shock gibt, kannst nur du für dich selbst beantworten! Klick um zu Tweeten

Ich persönlich empfinde es schon als grenzwertig, denn es ärgert mich wahnsinnig, dass ich so viele gute Online-Inhalte nicht in der Schnelligkeit konsumieren kann, wie neue nachkommen. Es ist frustrierend, wenn ich einen Tag (!) nicht in meinen Feedly schaue und hunderte von Beiträgen als gelesen markieren muss, weil ich weiß, dass ich nie dazu kommen werde alle zu lesen. Es ist aber auch frustrierend, weil ich mir sicher bin, dass dasselbe auch mit meinen Beiträgen geschieht. So viel Arbeit in jeden einzelnen Beitrag gesteckt und dann einfach…”mark as read”, weg ist er. Geht es dir ähnlich oder denkst du ganz anders darüber? Wie du siehst habe ich meine finale Antwort auf die oben gestellte Frage, noch nicht ganz gefunden.

Zwei Lösungsansätze

Auf diesen Gedanken aufbauend, möchte ich exemplarisch zwei Ansätze aufzeigen, die mit dieser rasanten Content-Entwicklung auf unterschiedliche Weise umgehen. Ich finde beide interessant, man kann sie sogar gut miteinander kombinieren, wenn man es richtig angeht.

Angelehnt an die Slow-Food-Bewegung, vertritt die Slow-Blogging-Bewegung den Standpunkt, weniger häufig zu veröffentlichen, dafür aber bessere Qualität für den Beitrag und den Blogger zu schaffen. Zurück geht die ganze Sache auf Todd Sieling, der sein Slow Blogging Manifesto bereits 2006 veröffentlichte. Ein guter einführender Artikel ist zum Beispiel dieser hier bei Problogger. Je nach Blog-Nische ist die Frequenz sehr unterschiedlich und auch die Qualität und Länge der Artikel variieren stark. Zwei wichtige Fragen sind, was in deiner Branche als Slow Blogging gilt und was es für dich persönlich ist bzw. wäre?

Slow-Blogging als Antwort auf den Content-Shock? Es ist zumindest eine Überlegung wert. Klick um zu Tweeten

Die andere Möglichkeit mit der Reizüberflutung und der kurzen Konzentrationsspanne der UserInnen umzugehen, ist Micro-Content. Was das ist, ist schnell erklärt: Content im Häppchenformat, schnell vernascht und noch schneller verdaut. 🙂 Möglichkeiten Micro-Content einzusetzen gibt es viele und sie sind auch keinesfalls neu, dennoch scheinen sie immer mehr an Bedeutung zu gewinnen. Einige gute Vorschläge findest du in diesem tollen Beitrag von piktochart.

Ist Micro-Content der einzige Content, der in sozialen Netzwerken überleben wird? Klick um zu Tweeten

Wie oben schon erwähnt lassen sich diese zwei Ansätze sehr gut miteinander kombinieren. Setze auf relevanten Evergreen-Content auf deinem Blog und promote diesen durch hochwertigen Micro-Content über relevante Kanäle. Wenn du weniger häufig bloggst, hast du mehr Zeit Micro-Content zu erstellen, der die Bedürfnisse deiner Zielgruppe bedient (oder auch mehr Zeit um in sozialen Netzwerken an Gesprächen in Gruppen und Foren teilzunehmen). Bedenke auch, dass sehr viele OnlinerInnen ausgiebig mobil im Netz surfen – ewig lange Blogposts sind da unpraktisch, kurze Statements und Bilder haben die Nase vorne.

Was wünscht du dir von mir?

Wenn ich mir das alles durch den Kopf gehen lasse, dann packt mich wieder die Freude an der Arbeit und der Wunsch gleich etwas Konkretes umzusetzen. Bleibt die Frage, was? Was macht Sinn und was bringt dir einen größeren Nutzen?

  • Eine tolle Idee, die ich schon seit einiger Zeit im Sinn habe, fand ich bei Karl Kratz. Auf seinem Blog kannst du bei einigen Beiträgen – z.B. hier zum Thema “gute Inhalte”  – gleich zu Beginn festlegen, wie viel Zeit du zum Lesen hast, ob du also den ganzen Artikel oder nur die Kurzversion lesen willst. Ich finde das fantastisch! Lieber Karl, falls du das hier liest: Wie funktioniert das genau?
    Für mich habe ich also die Überlegung angestellt, ob ich in Zukunft meine Beiträge mit einer Zusammenfassung/Kurzversion starten und den gesamten Beitrag nachlagern sollte? Was meinst du, wäre das für dich in irgendeiner Weise hilfreich?
  • Die Länge und Tiefe meiner Beiträge wollte ich eigentlich nicht anrühren. Beständiger Evergreen-Content bringt langfristig Vorteile, obwohl ab und an ein Trending-Topic-Beitrag nicht fehlen sollte. Dennoch möchte ich auch hier wieder dich fragen: Welche Art von Beiträgen möchtest du in Zukunft auf meinem Blog lesen? Welche Beiträge schätzt du besonders?
  • Gehen wir zur Blogging-Frequenz: Wie empfindest du einen Beitrag pro Woche? Ist das eher viel, wenig oder gerade richtig? Sind dir klare Regelmäßigkeiten bzw. konkrete Intervalle wichtig, oder wären 2-4 Beiträge im Monat ebenfalls ok?
  • Wie siehst du außerdem die Rolle von Micro-Content und welche Form davon nutzt du regelmäßig (wenn überhaupt) oder am ehesten? Ganz besonders interessiert mich deine Meinung zu Infografiken, “studierst” und nutzt du diese tatsächlich oder überfliegst du sie meistens nur?

Hilf mir meinen Content zu verbessern! Was willst DU lesen? Klick um zu Tweeten

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Wie du siehst, habe ich mich noch nicht zu verbindlichen Veränderungen hinreißen lassen, dafür brauche ich zuerst deinen Input. Denn schließlich blogge ich hier nicht (nur) für mich, sondern vor allem für dich! Also, was sagst du?

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